Energieerzeugung: Head of Development & Execution Support bei RWE
Von Sibirien ins Ruhrgebiet: Konstantin Ziborev sorgt dafür, dass die Energiewende sicher gelingt.
Von Sibirien ins Ruhrgebiet: Konstantin Ziborev sorgt dafür, dass die Energiewende sicher gelingt.
Die Energiewende braucht nicht nur Wind und Sonne, sondern auch smarte Back-up-Lösungen. Konstantin Ziborev ist bei der RWE Technology International genau dafür zuständig: Als Head of Development & Execution Support kümmert er sich um den Bau flexibler Gaskraftwerke. Sein Weg startete rund 7.000 Kilometer entfernt in Sibirien, später studierte er Elektrotechnik und stieg über ein Traineeprogramm in Deutschland bei RWE ein. Nach Stationen in verschiedenen Energiebereichen und einem Aufenthalt in den USA arbeitet er heute in Essen. Gefragt sind in seinem Job technisches Verständnis und die Fähigkeit, komplexe Projekte zu steuern. Die Region ist für Konstantin dabei längst zur Heimat geworden – er schätzt die direkten Menschen und die zentrale Lage mitten in Europa.
Konstantin, dein Titel lautet Head of Development & Execution Support im Bereich „OCGT & Peakers“ bei RWE Technology International. Das klingt komplex – was bedeutet das in wenigen Sätzen?
Es klingt komplizierter als es ist. Mein Team und ich unterstützen Bauprojekte für Gaskraftwerke, genauer gesagt für sogenannte Open Cycle Gasturbinen und Peakers – das sind Spitzenlastkraftwerke. Wir verantworten die technische Entwicklung und den Bau und sind dabei in unseren drei Kernmärkten aktiv: Deutschland, die Niederlande und Großbritannien. Wie ich immer sage: Wir sorgen dafür, dass Projekte von der PowerPoint-Folie in die Realität kommen und am Ende dort eine Anlage steht, die verlässlich Energie erzeugt.
Dein Lebenslauf ist sehr international. Wie sah dein Weg zu RWE aus?
Ich würde es weniger als einen geraden Weg, sondern als eine spannende Reise beschreiben. Ursprünglich komme ich aus einer kleinen Siedlung in Sibirien, Russland – gut 7.000 Kilometer von hier entfernt. Ich bin studierter Elektrotechniker und Technik hat mich schon immer fasziniert. 2018 bin ich dann nach Deutschland gekommen und direkt über ein Traineeprogramm bei RWE eingestiegen. Das war der perfekte Start, weil ich sofort in ganz unterschiedlichen Projekten arbeiten durfte: Ich war in der Kerntechnik in Biblis, bei Gaskraftwerken in Großbritannien und damals auch bei den ersten kleinen Batteriespeicher-Projekten dabei.
OCGT steht für Open Cycle Gas Turbine. Sogenannte „Peaker“-Kraftwerke (von engl. „Peak“ für Spitze) sind hochflexible Gaskraftwerke, die speziell für die Abdeckung von Spitzenlasten konzipiert sind. Anders als Grundlastkraftwerke laufen sie nicht durchgehend, sondern springen innerhalb kürzester Zeit an, wenn im Stromnetz Schwankungen ausgeglichen werden müssen – etwa, wenn Wind- und Solarenergie gerade nicht genug liefern.
Du hast dich dann vom Trainee zur Führungskraft entwickelt. Wie ging es nach dem Einstieg weiter?
Nach dem Traineeprogramm bin ich zunächst als Projektingenieur gestartet und habe mich damals stark auf Batteriespeicher fokussiert. Das war eine sehr dynamische Zeit, in der ich Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernommen habe – erst technisch, dann auch in der Koordination von Teams als Engineering Manager. Ein Highlight war sicher mein Arbeitseinsatz in den USA im Jahr 2023. Dort habe ich ein Engineering-Team für Wasserstoff aufgebaut. Seit Mai 2025 bin ich nun zurück in Essen und leite meinen jetzigen Bereich für Gasturbinen.
Vom Ingenieur zur Führungskraft – wurdest du dabei von RWE unterstützt?
Absolut, man wird da nicht allein gelassen. Ich war Teil des sogenannten "Early Talent Program" der RWE Generation. Solche Entwicklungsprogramme bietet RWE in seinen verschiedenen Konzerngesellschaften, wie zum Beispiel der RWE Generation, an. Ziel ist es, Leute mit Potenzial zu fördern und sie darauf vorzubereiten, nicht nur technische, sondern auch organisatorische Verantwortung zu übernehmen. Man lernt, über den Tellerrand zu schauen und in Führungsrollen hineinzuwachsen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Keine Woche gleicht der anderen, aber ein Großteil meiner Arbeit ist heute Koordination und Kommunikation. Mein Hauptfokus liegt darauf, mein Team zu unterstützen – egal ob die Kollegen im Büro sitzen oder draußen auf der Baustelle. Ich muss sicherstellen, dass sie alle Informationen haben und wissen, wohin die Reise geht. Ich stimme mich viel mit Stakeholdern ab, um Hürden aus dem Weg zu räumen. Am Ende geht es darum, dass wir als Team die Projekte vorantreiben.
Konstantin Ziborev steht vor einem riesigen Batteriespeichersystem von RWE im kalifornischen Fresno
Konstantin Ziborev steht vor einem riesigen Batteriespeichersystem von RWE im kalifornischen Fresno
Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Ich arbeite sehr gerne mit Menschen, das gibt mir viel Energie. Bei RWE spürt man, dass die Kolleginnen und Kollegen etwas verändern wollen – und dass sie einen echten Impact haben. Wir wollen etwas bauen, die Energiewende vorantreiben und Ergebnisse sehen. Dieser gemeinsame Drive, Dinge wirklich umzusetzen, motiviert mich jeden Tag.
Du hast früher viel mit Batterien gemacht, jetzt bist du bei den Gasturbinen. Welche Rolle spielen diese Technologien im Energiemix der Zukunft?
In Deutschland bauen wir die Erneuerbaren Energien massiv aus – im Erneuerbare-Energien-Gesetz steht das Ziel sind 80 Prozent Bruttostromverbrauch bis 2030. Aber die Sonne scheint nicht immer und der Wind weht nicht immer. Um das Netz stabil zu halten, brauchen wir eine intelligente Bündelung verschiedener Technologien: Batteriespeicher für kurzfristige Schwankungen, flexible Gaskraftwerke für längere Zeiträume und Spitzenlasten, sowie perspektivisch grünen Wasserstoff. Es ergibt keinen Sinn, nur auf eine Karte zu setzen. All diese Technologien müssen ineinandergreifen, um unsere Versorgung zu sichern.
In dieser Rolle verantwortest du die technische Umsetzung von Kraftwerksprojekten von der Planung bis zur Inbetriebnahme.
Die Aufgaben umfassen:
Die wichtigsten Fähigkeiten sind:
Mögliche Karriereschritte:
Du bist für deine Projekte auch oft vor Ort. Wie fühlt es sich an, vor diesen Maschinen zu stehen?
Für mich als Ingenieur ist das immer noch super interessant. Manchmal stehe ich vor einer Anlage und denke: Wow, im Vergleich zu dieser Maschine bin ich nur ein kleiner Mensch. Wobei die Dimensionen täuschen können: Manche „Peakers“ sehen von außen fast aus wie große Seecontainer. Man würde nie vermuten, dass darin ein riesiger Generator steckt. Andere Turbinen sind 20 bis 30 Meter lang. Zu sehen, wie aus Plänen echte Anlagen werden, ist einfach ein tolles Gefühl.
Du hast in den USA gelebt und kommst ursprünglich aus Sibirien. Heute ist Essen deine Heimat. Was schätzt du beruflich am Ruhrgebiet?
Als ich 2018 nach Deutschland kam, bin ich ganz bewusst nach NRW gegangen. Das Ruhrgebiet ist einfach die Energieregion. Hier sitzen die großen Konzerne, aber auch viele spezialisierte Partnerunternehmen. Wer in der Industrie oder im Energiesektor arbeiten will, findet hier die besten Möglichkeiten. Das war mir schon nach einer kurzen Recherche damals klar.
Und was gefällt dir persönlich hier?
Ich wohne seit sieben Jahren hier – mit Unterbrechung durch die USA – und fühle mich in Essen sehr wohl. Ich mag die Mentalität der Menschen hier im Ruhrgebiet. Sie sind ehrlich und direkt. Man weiß sofort, woran man ist, und es wird nicht lange um den heißen Brei geredet. Das hilft auch im Job ungemein. Außerdem ist die Lage super zentral, man ist schnell überall und es ist immer was los. Ich habe hier Freunde gefunden und kann mir gerade gar nicht vorstellen, wegzugehen.
Bilder: RWE